Schönheit ohne Chemie
Natur & Umwelt, Heft 1/1991, Ausgabe Bayern
Mit Haut und Haar sind Frauen der Chemie ausgeliefert, wenn es um ihre Schönheit geht. Beate Seitz-Weinzierl interviewte die Friseurmeisterin Gerty Post, ob es nicht auch sanftere Wege gibt.
Frau Post, Sie haben als Friseurmeisterin eine Unterschriftenaktion für Haarmode ohne Chemie initiiert. Was hat Sie dazu veranlaßt?
In der Friseurfachzeitschrift TOP HAIR hatte der Präsident des Friseur-Zentralverbandes unter anderem folgenden Ausspruch getan "Soviel Chemie wie nötig - Haarmode kann nur mit Chemie gemacht werden.."
(Anmerkung Richtigstellung der Aussage. Soviel Umweltschutz wie möglich, nur soviel Chemie wie nötig, Schreiben des Präsidenten vom 31.5.1990)
Dieser Ausspruch empörte mich. Unter drei Aspekten sehe ich hier Probleme. Die kosmetische Industrie hilft mit ihren Produkten sicherlich nicht der Umwelt. Gleichzeitig haben die Friseure keinen Nachwuchs an Mitarbeitern, weil sie entweder schon während der Lehre mit Berufskrankheiten (Allergien) ausscheiden oder bestimmte Krankheiten bei Friseuren häufiger auftreten. Und drittens plagten mich diese Aspekte in Zusammenhang mit den Friseurkunden.
Wie war das Echo bei Ihren Kolleginnen und Kollegen ?
Für mich als kleine Friseurmeisterin ist es schwierig meine Gedanken zu publizieren. Das Ergebnis der Unterschriftenaktion stellte ich einer führenden Friseurfachzeitschrift zur Verfügung. Gleichzeitig überreichte ich anläßlich der Deutschen Meisterschaft in Hannover in diesem Jahr dem Präsidenten des Friseurzentralverbandes die Sammlung der Unterschriften. ich halte es in Anbetracht der Interessenverpflechtung zwischen Verbänden/Industrie/Medien für nicht verwunderlich, daß meine Kollegen auf diese Thematik nicht mit dem notwendigen Ernst hingeführt werden. Echo also null. Allerdings rühren sich die Verbraucher und verursachen bei den Friseuren und der Industrie Handlungsdruck. Dies bemerke ich an dem lebhaften Interesse auch von Friseuren an meinen Pflanzenprodukten.
Immer mehr Beschäftigte in der Friseurbranche müssen aufgrund von Allergien ihren Beruf aufgeben. Hat das etwas mit Shampoo, Tönungen und Färbungen zu tun ?
Allergien sind überdurchschnittlich im Friseur- handwerk vertreten. Die Vermutung liegt doch wohl nahe, daß dies etwas mit den verwendeten Produkten zu tun hat.Selbst die Hersteller unserer am Kunden verwendeten Substanzen empfehlen uns das Tragen von Handschuhen. Wer schützt da eigentlich unsere Kunden, wenn wir eines der- artigen Schutzes bedürfen ?
.....gekürzte Ausgabe