Briefe an die Südd. Zeitung
Mittwoch 25.Oktober 1989


Zerstörung wird wohlwollend geduldet


Zu dem Bericht "Gesetzeslücken für Kosmetika" von Elke Brüser in der SZ vom 28.9.89


Vermutlich hat die Körperpflegemittelindustrie es nötig, auf eine vollständige Deklaration der Inhaltsstoffe zu verzichten. Vor 18 Jahren hatte ich mein Friseurgeschäft auf natürliche und gesunderhaltende Produkte umgestellt. Meine Kunden und ich kennen die Inhaltsstoffe. Benötigt werden nur ganz wenige Produkte, denn eine gesunde Kopfhaut und gesundes Haar benötigt nur gezielte Pflege.


Der Kreislauf der Industrie jedoch ist anders konzipiert. Die Haare werden mit einem Shampoo (Inhalt u.a. Tenside - gleiches wie in Waschmaschine oder Geschirrspülautomat oder Handspülmittel) gewaschen; dadurch werden die Haare spröder , d.h. nun brauchen sie eine Kur, diese macht die Haare weich, deshalb benötigt man nun Festiger und Haarspray. Die Dauerwelle schädigt auch das Haar, so wird danach eine Regenerationskur fällig; und dann geht es weiter wie oben. Wer glaubt, dies sei bei der chemischen Haarfärbung nicht ähnlich, braucht sich nur seine Jugendphotos betrachten oder bewußt auf Frauenköpfe in unseren Straßen achten. Mir sind Farben bekannt, die unter Umständen bis auf den Urin durchschlagen (das Eingeständnis der Industrie liegt mir im Original vor).


Zerstörung wird augenscheinlich wohlwollend geduldet, denn unsere Industrie bietet Heilung an, ohne den Übeltäter entlarven und ausrotten zu helfen. Der Verbraucher glaubt zwischenzeitlich, daß dies alles so seine Richtigkeit hat.



Gerty Post
Pflanzenfarben-Spezialistin


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